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Prof. em. Dr. Hans Eideneier: Zur Hörkultur der Griechen
Dienstag, 30. Oktober 2018, 19:30
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Im Gegensatz zu einer Schriftkultur werden in einer Hörkultur die künstlerischen Leistungen der Dichtung und Prosa nicht über das schauende Auge, sondern über das hörende Ohr rezipiert. Was in westlichen Schriftkulturen nur ungenügend zur Kenntnis genommen wird, ist, dass in der griechischen Kultur von Homer bis etwa in die Zeit um 1800 die Schriftkultur der Hörkultur untergeordnet war und die alte Platonische Einheit von Logos, Melos und Rhythmos allein schon deshalb nie außer Gebrauch kam, weil kein anderer Zugang zu diesen Dokumenten der Wortkunst – griechisch Logotechnia – vorstellbar war. In einem wie auch immer gearteten Schulunterricht lernten die Schüler zunächst die metrisch oder rhythmisch strukturierten Texte zu hören und hörend zu verstehen, bevor sie angehalten wurden, sie durch wiederholtes Hören auswendig zu lernen. Die griechische Sprache und Kultur hat bis heute in dieser Form überlebt, weil sie die menschlichen Grundbedürfnisse und Anforderungen an eine Kultur besser abdeckte als eine Schriftkultur, die an das Lernen von Lesen und Schreiben gebunden ist. Selbst die heute unter uns lebenden Griechen erfreuen uns durch ihre besondere Affinität zum griechischen Lied und Tanz, wogegen ihr Bezug zu einer aktiven Schriftlichkeit eher zurückhaltend ist.


Referent: Prof. em. Dr. Hans Eideneier, Köln (ehem. Universität Hamburg)


Der Vortrag findet in Kooperation mit der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Hamburg statt; der Eintritt ist frei.
Ort Gruppenraum der Bibliothek